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Hämoglobin-Wert

Verfasst von Adas medizinischem Fachpersonal

Aktualisiert am

Was ist Hämoglobin?

Hämoglobin ist ein komplexes Protein in den roten Blutkörperchen. Es hilft, Sauerstoff durch den Körper zu befördern und transportiert Kohlendioxid aus dem Gewebe in die Lungen.[1] Der Hämoglobin-Wert weist darauf hin, wie viel Hämoglobin eine Person im Blut hat.

Wenn der Hämoglobin-Wert zu hoch oder zu niedrig ist, kann sich das auf unterschiedliche Arten auf die Gesundheit auswirken.

Ein zu hoher Hämoglobin-Wert ist eher selten. Ein zu niedriger Wert kommt dagegen häufiger vor und kann Menschen aller Altersgruppen betreffen. Diesen Zustand nennt man auch Blutarmut oder Anämie. Besonders häufig tritt dies bei Schwangeren und Menschen mit anderen Vorerkrankungen auf. Um einen erhöhten oder zu niedrigen Hämoglobin-Wert zu behandeln, muss man in der Regel die Ursache dafür herausfinden und therapieren.

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Wie wird der Hämoglobin-Wert gemessen?

Der Hämoglobin-Wert lässt sich im Rahmen eines kleinen Blutbilds feststellen. Das ist eine Routineuntersuchung, die Ärzt:innen zur Diagnose unterschiedlicher Erkrankungen durchführen. Dazu gehören zum Beispiel Infektionen, Blutarmut oder Leukämie.

Für ein Blutbild braucht man zunächst eine Blutprobe. Diese wird normalerweise aus einer Vene im Arm entnommen. Es gibt unterschiedliche Methoden, den Hämoglobin-Gehalt des Blutes zu messen. Eine Möglichkeit ist eine Lösung mit einer Flüssigkeit, die einen Stoff namens Cyanid enthält. Diese Lösung (Cyanmethämoglobin) bestrahlt man mit einer Lampe und zeichnet auf, wie viel Licht absorbiert wird. So lässt sich die Menge an Hämoglobin im Blut feststellen.

Was ist ein normaler Hämoglobin-Wert?

Was bei Hämoglobin als zu hoch oder zu niedrig gilt, hängt vom Geschlecht und vom Alter ab. Bei einem ungewöhnlich hohen oder niedrigen Hämoglobin-Wert können unterschiedliche Erkrankungen zugrunde liegen. Dazu gehören Blutarmut und die Sichelzellenkrankheit.

Laut Medscape gelten die folgenden Hämoglobin-Werte als normal:[2]

  • Neugeborene: 14 bis 24 g/dl
  • Alter bis 2 Monaten: 12 bis 20 g/dl
  • Alter von 2 bis 6 Monaten: 10 bis 17 g/dl
  • Alter von 6 bis 12 Monaten: 9,5 bis 14 g/dl
  • Alter von 1 bis 6 Jahren: 9,5 bis 14 g/dl
  • Alter von 6 bis 18 Jahren: 10 bis 15,5 g/dl
  • Erwachsene Männer: 14 bis 18 g/dl
  • Erwachsene Frauen: 12 bis 16 g/dl
  • Ältere Erwachsene: Etwas geringere Werte
  • Schwangere: 11 g/dl oder mehr

Zu niedriger Hämoglobin-Wert

Ist das Hämoglobin zu niedrig kommt es in der Regel zu einer Erkrankung namens Blutarmut, auch Anämie genannt. In manchen Fällen besteht auch ein Zusammenhang mit Sichelzellenerkrankungen wie der Sichelzellenanämie oder der Thalassämie (auch Mittelmeeranämie genannt).

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Anämie

Anämie ist der Oberbegriff für eine Erkrankung, bei der der Körper entweder nicht genug gesunde rote Blutkörperchen produzieren kann oder zu wenig Hämoglobin hat. Eine Anämie kann auch auftreten, wenn das Hämoglobin zu schnell abgebaut wird oder beispielsweise durch Blutungen verloren geht. Hämoglobin sorgt dafür, dass rote Blutkörperchen Sauerstoff durch den Körper transportieren können.

Sichelzellenerkrankungen

“Sichelzellenerkrankungen” ist ein Oberbegriff für eine Gruppe an Erkrankungen. Hierbei ist das Hämoglobin ungewöhnlich geformt und die roten Blutkörperchen werden schneller als üblich abgebaut. Die Sichelzellenkrankheit ist eine Erbkrankheit.

Sichelzellenanämie

Die Sichelzellenanämie ist einer der häufigsten Subtypen der Sichelzellenerkrankungen.

Mittelmeeranämie/Thalassämie

Mittelmeeranämie – auch Thalassämie genannt – ist eine Erbkrankheit. Hierbei werden die Produktion und Funktion von Hämoglobin beeinträchtigt. Dies führt dazu, dass rote Blutkörperchen schneller als üblich abgebaut werden. Die Erkrankung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Niedriger Hämoglobin-Wert bei Schwangeren

Während einer Schwangerschaft ist eine leichte Anämie durchaus üblich. Bei Schwangeren erhöht sich die Blutproduktion im Körper um bis zu 30 Prozent. Das bedeutet, dass der Körper mehr Eisen benötigt, um genug Hämoglobin zu produzieren. Die Anämie kann dabei zustande kommen, wenn der Körper nicht genug Eisen erhält. Dies kommt im zweiten und dritten Trimester besonders häufig vor.[3]

Wie kann man Anämie während der Schwangerschaft verhindern?

Eisenhaltige Nahrungsmittel sind eine gute Möglichkeit den Hämoglobin-Wert während der Schwangerschaft zu erhöhen und einer Anämie vorzubeugen. Dazu gehören grünes Blattgemüse, Müsli, Eier, Linsen, Bohnen, Erbsen, Leinsamen und Nüsse.

In der Regel empfehlen Ärzt:innen rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel oder verschreiben Eisentabletten, um eine ausreichende Eisenzufuhr (ungefähr 27 mg pro Tag) sicherzustellen.[4] Es gibt auch Säfte aus Fruchtkonzentrat, die eine große Menge an Eisen enthalten. Diese werden von Ärzt:innen manchmal anstelle anderer Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Zu hoher Hämoglobin-Wert

Ein hoher Hämoglobin-Wert kann bedingt durch unterschiedliche Erkrankungen und bestimmte Umwelt-/Lifestyle-Faktoren auftreten. Oft liegt ein geringerer Anteil an Sauerstoff im Blut (Hypoxie) vor, wodurch der Körper größere Mengen Hämoglobin produziert.

Ein zu hoher Hämoglobin-Werte ist im Vergleich wesentlich seltener als ein zu niedriger Hämoglobin-Wert. Diese Faktoren können zu einem erhöhten Hämoglobin-Wert führen:[5]

Tabakkonsum. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass Tabak den Hämoglobin-Wert im Blut erhöhen kann Leben und Wohnen in großen Höhen über dem Meeresspiegel Zu geringe Wasserzufuhr (Dehydrierung) Eine Erkrankung im Knochenmark (Polycythaemia vera, oder auch Morbus Vaquez-Osler genannt) Herzprobleme Lungenprobleme, zum Beispiel eine Lungenblähung (Emphysem) Missbrauch anaboler Steroide

Symptome bei einem zu hohen Hämoglobin-Wert

Ein erhöhter Hämoglobin-Wert kommt äußerst selten vor. Daher werden sie oft zufällig erkannt oder erst nachdem sich bereits eindeutige Symptome gezeigt haben. Diese Symptome weisen in der Regel auf die Erkrankung hin, die zu dem erhöhten Wert geführt haben.

Erhöhtes Hämoglobin kann ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein und es sollte medizinischer Rat aufgesucht werden.

Wie behandelt man einen erhöhte Hämoglobin-Wert

Die Art der Behandlung hängt von der Erkrankung ab, die zu dem erhöhten Hämoglobin-Wert geführt hat. Dazu gehören Veränderungen im Lebensstil (zum Beispiel mit dem Rauchen aufhören) aber auch komplexe Therapien zur Behandlung von Herzproblemen.

Hämoglobin FAQ

Was sind normale Hämoglobin-Werte bei Säuglingen?

Für Säuglinge gelten folgende Hämoglobin-Werte als üblich:[2]

  • Neugeborene: 14 bis 24 g/dl
  • Alter bis 2 Monaten: 12 bis 20 g/dl
  • Alter von 2 bis 6 Monaten: 10 bis 17 g/dl
  • Alter von 6 bis 12 Monaten: 9,5 bis 14 g/dl

Diese Werte wurden aus unterschiedlichen medizinischen Quellen errechnet. In unterschiedlichen Laboren kann sich jedoch unterscheiden, welche Werte als normal gelten. Deswegen können die Werte hier sich von denen in anderen Quellen unterscheiden.

Was sind normale Hämoglobin-Werte für Kinder und Erwachsene?

Was bei Hämoglobin als zu hoch oder zu niedrig gilt, hängt vom Geschlecht und vom Alter ab. Die folgenden Werte gelten als normal:[2]

  • Alter von 1 bis 6 Jahren: 9,5 bis 14 g/dl
  • Alter von 6 bis 18 Jahren: 10 bis 15,5 g/dl
  • Erwachsene Männer: 14 bis 18 g/dl
  • Erwachsene Frauen: 12 bis 16 g/dl
  • Ältere Erwachsene: Etwas geringere Werte
  • Schwangere: 11 g/dl oder mehr

In unterschiedlichen Laboren kann sich unterscheiden, welche Werte als normal gelten. Deswegen können die Werte hier sich etwas von denen in anderen Quellen unterscheiden.

Wie kann ich meinen Hämoglobin-Wert erhöhen?

Bei der Erhöhung des Hämoglobins können unterschiedliche Mineralien und Vitamine helfen. Dazu gehören Eisen, Vitamin B6, Vitamin B9 (Folsäure), Vitamin B12 und Vitamin C. Bei einem zu niedrigen Hämoglobin-Wert können entsprechende Präparate verschrieben werden, um dem Körper bei der Hämoglobin-Produktion zu helfen. Außerdem sind diese Vitamine und Mineralien auch in unterschiedlichen Nahrungsmitteln enthalten.

Die Nährstoffe sind in den folgenden Nahrungsmitteln zu finden:[6]

  • Eisen: Eier, Müsli, grünes Blattgemüse, Bohnen, Fleisch und Meeresfrüchte
  • Vitamin B6: Fleisch, Fisch, Gemüse, Nüsse und Samen
  • Vitamin B9 (Folsäure): Grünes Blattgemüse, Bohnen und Früchte
  • Vitamin B12: Fisch, Fleisch und Milchprodukte
  • Vitamin C: Zitrusfrüchte, Brokkoli, Kartoffeln und Tomaten

Wenn der Hämoglobin-Wert extrem niedrig liegt, wird oft eine Bluttransfusion durchgeführt, um ihn schnell wieder in einen stabilen Bereich zu bringen.

Wann wird ein zu niedriger Hämoglobin-Wert gefährlich?

Bei einem gefährlich niedrig Hämoglobin-Wert ist in der Regel eine Bluttransfusion notwendig. Allerdings gibt es keinen einheitlichen Wert für diese Maßnahme. Der gleiche Hämoglobin-Wert kann bei unterschiedlichen Menschen verschiedene Symptome und Risiken mit sich bringen. Ob eine Bluttransfusion notwendig ist hängt immer vom allgemeinen Wohlbefinden, dem Alter, dem Geschlecht sowie anderen Faktoren ab.[7]

Laut der Association for the Advancement of Blood & Biotherapies (AABB) ist ein Hämoglobin-Wert von 7 m/dl oder niedriger ein Anlass für eine Bluttransfusion, wenn es sonst keine gesundheitlichen Beschwerden gibt. Anders verhält es sich bei Personen, die am Herzen operiert wurden, die sich derzeit in orthopädischer Behandlung befinden oder die bereits von einer Erkrankung des Kreislaufs betroffen sind. Hier liegt der Schwellwert für eine Bluttransfusion bei 8 m/dl oder niedriger.

Kann sich Tabakkonsum auf den Hämoglobin-Wert auswirken?

Es gibt Studien, die nahelegen, dass Tabak den Hämoglobin-Wert im Blut erhöhen kann.[8] Raucher:innen und anderen Tabakkonsument:innen zu hohem Hämoglobin wird empfohlen, sich den Tabakkonsum abzugewöhnen.

Warum haben Frauen niedrigere Hämoglobin-Werte als Männer?

Der Grund hierfür ist die Menstruation. Menschen, die menstruieren, haben durchschnittlich niedrigere Hämoglobin-Werte, als Menschen, die es nicht tun. Durch die Menstruation geht Eisen verloren. Dies führt wiederum zu einem niedrigeren Hämoglobin-Anteil im Blut. Das führt beispielsweise dazu, dass Frauen in der Menopause ähnliche Hämoglobin-Werte haben, wie Menschen, die nie menstruiert haben.[9]

Warum haben Säuglinge so hohe Hämoglobin-Werte?

Neugeborene haben in der Regel höhere Hämoglobin-Werte als ältere Kinder und Erwachsene. Das liegt daran, dass sich die Körper von Säuglingen noch stark entwickeln. Deswegen brauchen sie eine größere Menge an Sauerstoff (abhängig vom Gewicht ungefähr dreimal so viel wie ein Erwachsener). Daher brauchen sie auch eine größere Menge Hämoglobin im Blut. Für Neugeborene ist ein Hämoglobin-Anteil von 15g/dl im Blut optimal.[10]

Was ist Hämoglobin A1c?

Hämoglobin A1C (auch HbA1c genannt) ist die Bezeichnung für glykiertes Hämoglobin. Es entsteht, wenn sich Glukose an das Hämoglobin im Blut im bindet. Wenn Ärzt:innen den HbA1c-Wert messen, können sie den allgemeinen Glukosespiegel einer Person über mehrere Wochen und Monate hinweg feststellen. Dieser Wert ist besonders wichtig für Menschen mit Diabetes. Ein hoher HbA1c-Wert weist auf ein höhere Risiko für Komplikationen hin, die mit Diabetes zusammenhängen.


  1. MedicineNet. “Hemoglobin.” April 11, 2015. Zugriff am: 13. November 2017.

  2. Medscape. “Hemoglobin Concentration (Hb).” November 27, 2019. Zugriff am: 12. Januar 2022

  3. American Society of Hematology. “Anemia and Pregnancy.” Zugriff am: 17. November 2017.

  4. American Society of Hematology. “Anemia and Pregnancy.” Zugriff am: 17. November 2017.

  5. Tandurust. “Causes of High Hemoglobin Levels: Symptoms & Treatment Options.” October 7, 2015. Zugriff am: 17. November 2017.

  6. MD Health. “How to Increase Your Hemoglobin Level.” Zugriff am: 17. November 2017.

  7. The JAMMA Network. “Clinical Practice Guidelines From the AABB Red Blood Cell Transfusion Thresholds and Storage.” November 15, 2016. Zugriff am: 17. November 2017.

  8. Semantics Scholar. “Effect of smoking on Red Blood Cells Count, Hemoglobin Concentration and Red Cell indices.” June, 2014. Zugriff am: 17. November 2017.

  9. NCBI. “Why should women have lower reference limits for haemoglobin and ferritin concentrations than men?” June 2, 2001. Zugriff am: 8. November 2018.

  10. NCBI. “[The critical hemoglobin value in newborn infants, infants and children].” 1992. Zugriff am: 17. November 2017.