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Autismus

Verfasst von Adas medizinischem Fachpersonal

Aktualisiert am

Eine Infografik mit einem Kind, das mit Bauklötzen spielt.

Was ist Autismus?

Autismus, auch Autismus-Spektrum-Störung (ASS) genannt, ist eine Entwicklungsstörung. Autismus kann beeinflussen, wie man mit anderen Menschen kommuniziert, wie man sich verhält und wie man lernt.[1]

Die Störung hält ein Leben lang an. Autismus-Symptome und erste Anzeichen können sich schon in der frühen Kindheit zeigen. Eine Autismus-Spektrum-Störung kann nicht geheilt werden. Es gibt jedoch Therapien und Hilfsangebote, die Menschen mit Autismus helfen können, ihre Symptome und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Gut zu wissen: Die Ursachen von Autismus sind noch nicht vollständig geklärt und Gegenstand anhaltender Forschung. Es gibt jedoch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, die zeigen, dass es absolut keinen Zusammenhang zwischen einer Autismus-Spektrum-Störung und Impfungen gibt.[2][3][4]

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Was ist eine Spektrum-Störung?

Autismus ist eine Spektrum-Störung. Das bedeutet, dass Betroffene viele unterschiedliche und verschieden starke Symptome aufweisen können. Zum Beispiel: eine Person mit hochfunktionalem Autismus kann sich gut sprachlich ausdrücken. Eine Person mit Autismus am niedrigeren Ende des Spektrums spricht womöglich wenig bis gar nicht.[5]

Deswegen ist es wichtig zu wissen, dass eine Person mit einer Autismus-Spektrum-Störung nicht alle Symptome erlebt und Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Dennoch zeigen Menschen mit Autismus einige dieser Verhaltensweisen und Anzeichen.

Anzeichen und Symptome von Autismus

Es gibt viele Anzeichen und Symptome für eine Autismus-Spektrum-Störung. Betroffene Erwachsene und Kinder haben in der Regel nicht alle Symptome. Außerdem können manche Menschen ohne Autismus auch einige dieser Anzeichen aufweisen.

Menschen mit Autismus haben oft Schwierigkeiten bei der Kommunikation. Es fällt ihnen auch häufig schwer, emotionale und soziale Verbindungen zu anderen aufzubauen. Sinneseindrücke, beispielsweise Geräusche oder Gerüche, können auch anders verarbeitet werden als bei Menschen ohne Autismus. Diese Unterschiede gehören zu den möglichen Anzeichen von Autismus.[6]

Anzeichen einer Autismus-Spektrum-Störung können sich in der frühen Kindheit zeigen. Es gibt bestimmte Meilensteine, die Kinder zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Entwicklung erreicht haben sollten. Dazu gehört zum Beispiel das Plappern nach vier bis sechs Monaten oder das Sprechen einfacher Sätze mit zwei Jahren. Wenn solche Meilensteine verzögert oder gar nicht erreicht werden, kann das ein Anzeichen einer Entwicklungsstörung wie Autismus sein.[7]

Autismus kann bei Kindern erst ab zwei Jahren zuverlässig diagnostiziert werden. Symptome können sich allerdings schon viel früher zeigen.

Häufige Anzeichen von Autismus

Zu den häufigeren Anzeichen, dass eine Person Autismus haben könnte, gehören:[8]

  • Vermeiden von Augenkontakt
  • Verzögerte Sprach- und Kommunikationsentwicklung
  • Abhängigkeit von Regeln und Routinen
  • Schwierigkeiten bei relativ kleinen Veränderungen im Alltag
  • Unerwartete Reaktionen bei Geschmäckern, Geräuschen, Gerüchen, sowie beim Anschauen oder Anfassen
  • Probleme, Gefühle anderer Menschen zu verstehen
  • Fokus auf oder Besessenheit von sehr spezifischen Interessen oder Gegenständen
  • Verhaltens-Ticks, z.B. Flattern mit den Händen oder Hin- und Herschaukeln
  • Keine Reaktion auf den eigenen Namen mit 12 Monaten
  • Kein Zeigen auf entfernte Gegenstände mit 14 Monaten

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Frühkindliche Anzeichen von Autismus

Je nach Altersgruppe können sich die frühen Anzeichen von Autismus bei Säuglingen, Kleinkindern, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterscheiden.

Anzeichen von Autismus bei Säuglingen

Autismus ist eine Entwicklungsstörung. Das bedeutet, dass sie sich zeigt, wenn Kinder sich nicht so entwickeln wie erwartet. Zum Beispiel könnten sich ihre Sprachfähigkeiten verzögert entwickeln oder sie lernen das Krabbeln später als üblich.

Es gibt nur wenige Anzeichen von Autismus, die sich bei Neugeborenen zeigen. Wenn ein Säugling jedoch nicht die erwarteten Meilensteine im Alter von zwei Monaten, vier Monaten, sechs Monaten, neun Monaten oder einem Jahr erreicht, könnte dies ein erstes Anzeichen von Autismus oder einer anderen Entwicklungsstörung sein. Gut zu wissen: Säuglinge erreichen die Meilensteine ihrer Entwicklung nicht immer zur gleichen Zeit. Unterschiede sind hier durchaus normal. Falls Du Sorgen zur Entwicklung Deines Kindes hast, suche ärztlichen Rat auf.

Zu frühen Anzeichen, dass ein Säugling unter einem Jahr Autismus haben könnte gehören:[8]

  • Kein Geplapper mit vier Monaten
  • Kein Lächeln mit fünf Monaten
  • Kein Lachen mit sechs Monaten
  • Kein Interesse an einfachen Spielen wie das Guck-guck-Spiel mit acht Monaten
  • Keine Reaktion auf den eigenen Namen mit 12 Monaten
  • Kein Hingucken, wenn jemand auf ein Objekt zeigt mit 12 Monaten
  • Probleme mit lauten Geräuschen
  • Kein Anschauen eines Elternteils zur Beruhigung in einer neuen Situation
  • Freude am Spielen allein für längere Zeit
  • Vermeiden von Blickkontakt

Anzeichen von Autismus bei Kleinkindern

Zu den Autismus Anzeichen bei Kleinkindern zwischen einem und zwei Jahren gehören:[8]

  • Mangelnde Sprachentwicklung, zum Beispiel keine einfachen Worte wie „Mama“ mit einem Jahr oder einfache Sätze mit zwei Jahren
  • Sprechen ausschließlich in einzelnen Worten
  • Anhaltendes Wiederholen von Wörtern
  • Wenig Interesse am Spielen oder am Umgang mit anderen Kindern
  • Vermeiden von Blickkontakt
  • Kein Nachmachen von anderen Menschen
  • Anhaltende Verhaltens-Ticks wie Flattern mit den Händen, Hin- und Herschaukeln oder Im-Kreis-Drehen

Zwischen 25 und 30 Prozent der Kinder mit Autismus haben bis zum 18. Lebensmonat Sprachfertigkeiten entwickelt und verlieren sie dann wieder. Manche Kinder zwischen einem und zwei Jahren können auch bereits entwickelte Fähigkeiten beim Spielen oder im sozialen Umgang wieder verlieren.[8]

Anzeichen von Autismus im Kindesalter

Autismus-Spektrum-Symptome zeigen sich in der Regel im Alter von zwei oder drei Jahren. Die Verhaltensweisen und Fähigkeiten, über die wir hier sprechen, können sich im Alter zwischen zwei und fünf Jahren zeigen.

Zu den Anzeichen einer Autismus-Spektrum-Störung bei Kindern gehören:[8]

  • Kein oder sehr begrenztes Ausdrücken von Gefühlen
  • Schwierigkeiten beim Verstehen von Gefühlen anderer Menschen
  • Scheinbar mangelnde Bindung zu den Eltern
  • Wenig Interesse am Spielen oder am Umgang mit anderen Kindern
  • Bevorzugtes Spielen mit einem spezifischen Spielzeug oder Gegenstand
  • Echolalie, also das Wiederholen von Wörtern oder Sätzen anderer Leute
  • Anhaltendes Wiederholen der eigenen Worte
  • Formale Ausdrucksweise im Vergleich zur Sprache gleichaltriger Kinder
  • Keine Sprachentwicklung
  • Schwierigkeiten sich an das Benutzen der Toilette zu gewöhnen
  • Wutanfälle und Nervenzusammenbrüche
  • Körperlich aggressives Verhalten
  • Provozierendes Verhalten, zum Beispiel den Kopf gegen die Wand schlagen, oder an der Haut kratzen
  • Anhaltendes Flattern mit den Händen, Hin- und Herschaukeln oder Im-Kreis-drehen

Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung haben Probleme dabei, die Gefühle, Gedanken und die sozialen Signale anderer Menschen zu verstehen. Ein Kind mit Autismus kann vielleicht nicht den Unterschied zwischen einer fröhlichen und einer wütenden Person, die es zu sich ruft, erkennen. Das kann oft verwirrend sein. Dabei entsteht der Eindruck, dass das Kind keine richtige Bindung zu anderen Menschen aufbauen kann.[8]

Gut zu wissen: Echolalie, also das Nachahmen der Sprache anderer Leute, ist ein normaler Teil kindlicher Sprachentwicklung. In der Regel endet diese Phase um das Alter von drei Jahren herum. Bei Kindern mit Autismus kann dieses Verhalten sich allerdings noch darüber hinaus fortsetzen.[9]

Anzeichen von Autismus bei älteren Kindern und Teenagern

Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung ist zuverlässig möglich ab einem Alter von etwa zwei bis drei Jahren. Trotzdem erhalten viele Kinder keine Diagnose, bis sie wesentlich älter sind. Schwache Symptome bei Kindern mit hochfunktionalem Autismus werden womöglich bis ins Schulalter nicht erkannt.

Autismus ist eine Spektrum-Störung. Das heißt, dass betroffene Kinder ihre Alltage ganz unterschiedlich erleben. Bei Kindern von fünf Jahren an und bis ins Teenager-Alter, die schwache Symptome zeigen und sich im hoch-funktionalen Bereich des Autismus-Spektrums befinden, können folgende Anzeichen auftreten:[8]

  • Entwickeln von wenigen Interessen und Fixieren auf bestimmte Themen
  • Verhaltens-Ticks, zum Beispiel Flattern mit den Händen, Sich-im-Kreis-Drehen oder nervöses Spielen mit Gummibändern
  • Vermeiden von Blickkontakt
  • Probleme bei sozialen Interaktionen
  • Eigene Gefühle und die Gefühle anderer werden nicht verstanden
  • Vorliebe dafür, allein zu sein
  • Vermeiden von körperlichem Kontakt
  • Untypischer Schlafrhythmus
  • Formale Ausdrucksweise im Vergleich zur Sprache gleichaltriger Kinder
  • Besonderer Fokus auf Regeln und Routinen
  • Ausgeprägte Vorlieben für bestimmtes Essen, bestimmte Kleidung oder bestimmte Gegenstände

Kinder und Jugendliche mit schwereren Symptomen und diejenigen, die sich am niedriger-funktionalen Ende des Autismus-Spektrums befinden, können folgende Anzeichen aufweisen:[8]

  • Kein Sprechen
  • Extreme Unruhe bei Veränderungen von Routinen
  • Provozierendes Verhalten, zum Beispiel aggressives Verhalten oder Schlagen des Kopfes gegen die Wand
  • Hilfsbedürftigkeit im Alltag, zum Beispiel beim Waschen oder Anziehen
  • Verhaltens-Ticks, zum Beispiel wiederholtes Hin- und Herschaukeln
  • Bestehen auf Regeln und Routinen
  • Strenge Vorlieben bei Essen, Kleidung oder sonstigen Gegenständen
  • Notwendigkeit von speziellen Diäten

Zwischen 25 und 50 Prozent der Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung entwickeln keine Sprachfähigkeiten. Nach dem fünften Lebensjahr ist es selten, dass sich verzögerte Sprach-Fähigkeiten doch noch entwickeln. Deswegen gibt es einen erheblichen Anteil an Kindern mit Autismus, die als Teenager und Erwachsene nicht sprechen.[10]

Anzeichen von Autismus bei Erwachsenen

Eine Autismus-Spektrum-Störung hält ein Leben lang. Manche Menschen erhalten allerdings erst eine Diagnose, wenn sie erwachsen sind. Dies kann unterschiedliche Gründe haben: Vielleicht befinden sie sich am hoch-funktionalen Ende des Autismus-Spektrums und zeigen schwächere Symptome. Vielleicht wurden sie aber auch falsch diagnostiziert, zum Beispiel mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung oder einer Zwangsstörung.[11]

Eine Behandlung kann bei oberflächlichen Symptomen helfen. Allerdings erleben Menschen mit Autismus Sinneseindrücke wie das Hören, Sehen, Anfassen oder Riechen trotzdem immer auf unterschiedliche Arten.

Da es sich bei Autismus um eine Spektrum-Störung handelt, können betroffene Erwachsene ihre Alltage sehr unterschiedlich erleben. Erwachsene mit schwachen Symptomen, die sich am hoch-funktionalen Bereich des Autismus-Spektrums befinden, können folgende Anzeichen aufweisen:[12][13]

  • Schwierigkeiten in sozialen Situationen
  • Vermeiden von Blickkontakt
  • Kein Verständnis von non-verbaler Kommunikation, zum Beispiel Mimik oder Körpersprache
  • Kein Verständnis für unterschiedliche Tonfälle, zum Beispiel Sarkasmus
  • Vorliebe für Regeln und Routinen
  • Unruhe bei Veränderungen von Routinen
  • Unter- oder Überempfindlichkeit bei lauten Geräuschen oder starken Gerüchen oder Geschmäckern
  • Verhaltens-Ticks, zum Beispiel nervöses Herumlaufen oder Flattern mit den Händen
  • Wenige Interessen
  • Ein gutes Gedächtnis und einfacheres Abrufen von Fakten

Bei Erwachsenen im niedrig-funktionalen Bereich des Autismus-Spektrums können folgende Anzeichen auftreten:[8][13][14][15]

  • Absolut keine verbale Kommunikation oder sehr beschränkte Sprachfähigkeiten
  • Notwendigkeit von Hilfe im Alltag, zum Beispiel beim Waschen und Anziehen
  • Verhaltens-Ticks, zum Beispiel wiederholtes Hin- und Herschaukeln
  • Bestehen auf Regeln und Routinen
  • Extreme Unruhe bei Veränderungen von Routinen
  • Notwendigkeit von speziellen Diäten

Erwachsene mit Autismus können es sehr schwer bei der Arbeitssuche haben. Menschen mit Autismus brauchen häufiger bestimmte Anpassungen am Arbeitsplatz, bevor sie produktiv arbeiten können. Dazu gehören zum Beispiel weniger aggressive Beleuchtung oder einen ruhigen Arbeitsplatz. Arbeitsanforderungen wie Flexibilität, Teamfähigkeit oder Belastbarkeit können ebenfalls Probleme darstellen.[16]

Angststörungen gehören oft zu einem Symptom von Autismus bei Erwachsenen. Zu Anzeichen von Angststörungen gehören:

  • Reizbarkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Herzrasen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Andauernde Gedanken an Katastrophen-Szenarios
  • Depressionen

Bei Erwachsenen mit einer Autismus-Spektrum-Störungen kann es auch zu Nervenzusammenbrüchen kommen.

Anzeichen von Autismus bei Mädchen

Das Verhältnis von Autismus-Diagnosen bei Jungen und Mädchen ist 4 zu 1. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Autismus bei Mädchen oft nicht diagnostiziert wird. Das ist vor allen Dingen dann der Fall, wenn sie sich im hoch-funktionalen Bereich des Autismus-Spektrums befinden.

Es gibt viele Diskussionen darüber, ob Mädchen und Frauen andere Autismus-Symptome aufweisen als andere Menschen. Es kann zum Beispiel sein, dass die aktuellen Diagnose-Kriterien eine Tendenz haben, Jungen und stereotypisch männliches Verhalten zu bevorzugen. Außerdem kann es sein, dass Mädchen und Frauen besser darin sind, ihre Schwierigkeiten in sozialen Situationen zu verbergen. So kann es zu Verzögerungen der Diagnosen kommen.

Es braucht vermutlich neue Diagnose-Kriterien für eine Autismus-Spektrum-Störung bei Frauen und Mädchen. Vorherige Annahmen - wie die kontroverse „Extreme Male Brain Theory“ - könnten dazu beigetragen haben, dass Mädchen und Frauen mit einer Autismus-Spektrum-Störung seltener Ärzt:innen aufsuchen und seltener diagnostiziert werden.[17][18][19]

Zu den Anzeichen von Autismus bei Mädchen gehören:[20]

  • Schwierigkeiten in sozialen Situationen; es gibt allerdings Unterschiede zu typischen Autismus-Symptomen, unter anderem:
    • Bessere Kontrolle über Gefühle und mehr Erfolg als Jungen dabei, Freunde zu finden
    • Vermeiden und Verbergen sozialer Probleme durch das Wiederholen oder Nachahmen von Rollenspielen (real oder fiktiv), die beobachtet wurden
    • Fähigkeit, Freund:innen zu finden, aber Probleme dabei, Freundschaften aufrecht zu erhalten
  • Extremer Fokus auf bestimmte Themen; Geschlechterunterschiede können sich zum Beispiel durch besonderes Interesse für Züge oder Dinosaurier (Jungen) oder Promis und Tiere (Mädchen) äußern
  • Seltenere Verhaltens-Ticks und wiederholte Gesten als bei Jungen, beziehungsweise andere Gesten, als es bei Jungen der Fall ist
  • Abhängigkeit von Regeln und Routinen; diese können bei Mädchen dann allerdings als „gutes Benehmen“ interpretiert werden

Anzeichen von Asperger-Syndrom

Menschen mit Asperger-Syndrom befinden sich in der Regel am hoch-funktionalen Ende des Autismus-Spektrums. Es ist dennoch eine Art von Autismus und hält ein Leben lang.

Zu den Anzeichen und Symptomen von Asperger-Syndrom gehören:[21]

  • Sehr wenige und stark ausgeprägte Interessen
  • Große Bedeutsamkeit von Regeln und Routinen
  • Hohe sprachliche Begabung, womöglich sehr formale Ausdrucksweise
  • Eintönige und repetitive Art zu Sprechen
  • Mangelndes Verständnis von non-verbaler Kommunikation, zum Beispiel Mimik oder Körpersprache
  • Probleme in sozialen Situationen
  • Vorliebe für das Alleinsein, um sozialem Umgang zu entkommen
  • Tendenz, vermehrt über sich selbst und eigene Interessen zu sprechen
  • Schwierigkeiten mit Blickkontakt
  • Mangelnde Körperkoordination

Repetitive Verhaltensmuster

Viele Menschen mit Autismus haben sich wiederholende Ticks. Diese repetitiven Verhaltensmuster nennt man auch Stereotypie, selbststimulierendes Verhalten oder Stimming. Beispiele für solches Verhalten sind:[22]

  • Flattern mit den Armen
  • Hin- und Herschaukeln
  • Springen und Hüpfen (auch im Sitzen)
  • Nervöses Spielen mit Gummibändern oder Schnüren
  • Lichter anstarren
  • Sich im Kreis drehen
  • Beobachten sich bewegender Objekte
  • Schlagen mit oder gegen den Kopf
  • Wiederholen des gleichen Geräusches
  • Kratzen

Dieses Verhalten bietet einer Person mit Autismus Sinneseindrücke, die für sie reizvoll oder hilfreich sind. Für dieses selbststimulierende Verhalten gibt es verschiedene mögliche Gründe:

  • Es bringt ihnen Freude
  • Sie können sich auf etwas konzentrieren, sodass andere Reize nicht so stark wahrgenommen werden
  • Es kann beruhigend sein und gegen Angstzustände helfen

Autismus und Nahrung

Manche Menschen mit Autismus entwickeln extreme Vorlieben, Abneigungen oder Verhaltensmuster, wenn es um Essen geht, zum Beispiel:[23][24]

  • Sie essen nur Nahrung, die zu bestimmten Gruppen gehört, beispielsweise nur süße, salzige oder bittere Dinge
  • Sie weisen Essen abhängig von der Textur, dem Geruch, der Farbe oder der Temperatur ab
  • Sie essen ihr gesamtes Essen nur mit Soßen
  • Sie machen ihren Mund zu voll aufgrund mangelnder Sensibilität im Mundbereich
  • Sie beißen das Innere ihrer Lippen und Wangen, wenn sie etwas nicht mögen
  • Sie essen nur Nahrung, die jedes Mal auf die gleiche Art angerichtet wird

Provozierendes Verhalten bei Autismus

Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störungen können Verhaltensmuster an den Tag legen, die sie selbst in Gefahr bringen, anderen Menschen Schwierigkeiten bereiten oder die gesellschaftlich nicht akzeptiert sind.

Ungefähr die Hälfte aller Menschen mit Autismus zeigen möglicherweise selbstgefährdendes Verhalten, wenn es ihnen schlecht geht, sie frustriert sind oder sie überfordert sind. Zu solchem Verhalten gehören:[25]

  • Schlagen mit dem Kopf gegen die Wand oder andere Dinge
  • Schlagen des eigenen Körpers (zum Beispiel mit der Faust gegen den Kopf)
  • Den Finger ins eigene Auge stecken
  • Haare ziehen
  • Haut kratzen
  • Beißen
  • Fäkalien verschmieren

Personen mit Autismus, die sich unwohl, frustriert oder überfordert fühlen, können auch aggressives Verhalten an den Tag legen. Dazu gehört:[26]

  • Mit Gegenständen werfen
  • Schlagen oder Beißen
  • Haare ziehen

Manche Menschen mit Autismus essen nicht essbare Dinge oder stecken sie sich in den Mund. Dieses Verhalten nennt man auch Pica-Syndrom. Es ist die häufigste Essstörung bei Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. In solchen Fällen können Betroffene alles mögliche essen, inklusive Dreck oder Seife.[27]

Reizüberflutung bei Autismus

Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung haben oft Schwierigkeiten beim Verarbeiten von Sinneseindrücken. Dazu gehören:

  • Der Anblick bestimmter Dinge
  • Geräusche
  • Gerüche
  • Geschmäcker
  • Bestimmte Berührungsempfindungen

Betroffene können bei solchen Eindrücken unter- oder übersensibel sein. Dabei können sie die Konzentration verlieren, wütend werden oder sich auf unerwartete Art und Weise verhalten. Dies tun sie, um die Sinneseindrücke besser zu verarbeiten.

Reizüberflutung kann bei Menschen mit Autismus auch andere Effekte haben: Beispielsweise können sie anderen beim Zuhören nicht mehr ins Gesicht schauen oder können sich beim Zuhören nicht auf Fragen oder schwierige Anweisungen konzentrieren.

Anzeichen eines Nervenzusammenbruchs bei Autismus

Für manche Menschen mit Autismus kann eine Reizüberflutung zu viel werden. In solchen Situationen können sie einen Nervenzusammenbruch erleben. Solche Nervenzusammenbrüche können auch durch die Veränderung einer Routine ausgelöst werden.

Ein Nervenzusammenbruch ist etwas anders als ein Wutanfall. Er kann von Menschen mit Autismus jeder Altersgruppe erlebt werden. Im Falle eines Nervenzusammenbruchs sollte man versuchen, die Person zu beruhigen und die Ursache dafür ausfindig zu machen.

Zu den Anzeichen eines nahenden Nervenzusammenbruchs gehören:[28]

  • Nägel beißen
  • Nervöses Auf- und Abgehen
  • Hin- und Herschaukeln
  • Sehr stille Anspannung
  • Stellen vieler Fragen
  • Bedrohen von anderen

Falls ein Nervenzusammenbruch nicht abgewendet werden kann, können folgende Verhaltensmuster auftreten:[28]

  • Schreien
  • Weinen
  • Schlagen
  • Treten
  • Zerstören von Gegenständen
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Beißen

Magen- und Darmprobleme bei Autismus

Bis zu 70 Prozent aller Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung haben zusätzlich eine Erkrankung an Magen oder Darm. Dazu gehören:[29]

Viele Menschen mit Autismus haben auch Nahrungsunverträglichkeiten. Einige davon finden es hilfreich, auf Gluten und Kasein zu verzichten.[24]

Inselbegabung und Autismus

In den Medien werden Menschen mit Autismus oft ungewöhnliche Fähigkeiten zugeschrieben. Beispielsweise, dass sie sich besonders gut Dinge merken können. Solche Stereotype sind allerdings nicht repräsentativ für alle Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung.

Bei ungefähr 10 Prozent der Menschen mit Autismus wird eine Art Begabung vermutet. Bei diesen Menschen liegen bestimmte Fähigkeiten vor, die vergleichsweise überdurchschnittlich ausgeprägt sind. Zu solchen Fähigkeiten zählen:[30]

  • Musikalisches Verständnis, vor allen Dingen beim Klavier spielen
  • Mathematik, vor allen Dingen Berechnungen im Kopf
  • Künstlerisches Verständnis, vor allen Dingen beim Malen oder Zeichnen
  • Kalenderberechnungen, also die Fähigkeit, den Wochentag eines beliebigen Datums bestimmen zu können
  • Räumliche und mechanische Fähigkeiten, zum Beispiel das Abschätzen von Entfernungen ohne Hilfsinstrumente, oder das Entwickeln komplexer Apparate
  • Erinnerungsvermögen, normalerweise in Verbindung mit einer weiteren Fähigkeit

Es ist wichtig zu betonen, dass 90 Prozent der Menschen mit Autismus keine solche Begabungen aufweisen.

Diagnose von Autismus

Die meisten Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung zeigen die ersten Anzeichen bevor sie zwei Jahre alt werden. Eine frühe Diagnose und Intervention sind also möglich. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt, dass Ärzt:innen jeweils im Alter von 18 und 24 Monaten auf frühe Anzeichen von Autismus prüfen.

Kinderärzt:innen, Psycholog:innen, Neurolog:innen und andere medizinische Fachkräfte verfügen über verschiedene Methoden zur Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung bei Kindern.

Wann sollte ich ärztlichen Rat aufsuchen?

Bei Kindern mit Autismus ist eine frühe Behandlung sehr wichtig. Behandlungsmethoden wie Sprachtherapie und andere Verhaltenstrainings sind effektiver, je früher mit ihnen begonnen wird.[31]

Deswegen ist eine möglichst frühe Diagnose hilfreich. Allerdings werden viele Kinder mit Autismus erst im Schulalter diagnostiziert. Manche Menschen erhalten erst als Erwachsene eine Diagnose.

Falls Du den Verdacht hast, dass Du oder eine Person, die du kennst, Autismus hat, solltest du ärztlichen Rat aufsuchen.

Anzeichen von Autismus FAQ

Wie früh können Anzeichen von Autismus erkannt werden?

Ärzt:innen können eine Autismus-Diagnose bei Kindern zuverlässig ab einem Alter von zwei Jahren stellen. Es ist jedoch möglich, Anzeichen von Autismus bei Neugeborenen und Kleinkindern festzustellen. Dazu gehören verzögerte Sprachentwicklung oder das Ignorieren des eigenen Namens. Lies gerne die Abschnitte zu den Anzeichen von Autismus bei Säuglingen und Kleinkindern.

Gibt es Anzeichen von Autismus vor der Geburt/während der Schwangerschaft?

Nach aktuellem Forschungsstand gibt es keine Möglichkeit, Anzeichen von Autismus vor der Geburt festzustellen. Auch bei neugeborenen Babys sind Anzeichen von Autismus schwer festzustellen. Merkmale einer Autismus-Spektrum-Störung zeigen sich in der Regel erst, wenn erwartete Meilensteine der Entwicklung nicht oder sehr verzögert erreicht werden. Dies passiert zwischen einem Alter von 2 und 24 Monaten.[32]


  1. National Institute of Child Health and Human Development. “About Autism.” January 2017. Accessed February 2022.

  2. American Academy of Pediatrics. “Vaccine Safety: Examine the Evidence.” January 2017. Accessed February 2022.

  3. Centers for Disease Control and Prevention. “Vaccines Do Not Cause Autism.” October 2015. Accessed February 2022.

  4. Centers for Disease Control and Prevention. “Measles, Mumps, and Rubella (MMR) Vaccine Safety Studies.” August 2015. Accessed February 2022.

  5. National Institute of Mental Health. “Autism Spectrum Disorder.” March 2018. Accessed February 2022.

  6. Centers for Disease Control and Prevention. “Basics About ASD.” May 2018. Accessed February 2022.

  7. Centers for Disease Control and Prevention. “Developmental Milestones.” October 2017. Accessed February 2022.

  8. Centers for Disease Control and Prevention. “Signs & Symptoms.” March 2021. Accessed February 2022.

  9. National Center on Birth Defects and Developmental Disabilities, Centers for Disease Control and Prevention. “Language Development Concerns”July 2020. Accessed February 2022.

  10. US National Library of Medicine. “Sensory Response Patterns in Nonverbal Children with ASD” July 2013. Accessed February 2022.

  11. NHS. “Signs of autism in adults” April 2019. Accessed February 2022.

  12. US National Library of Medicine. “Autism in adults: symptom patterns and early childhood predictors. Use of the DISCO in a community sample followed from childhood.” November 2007. Accessed February 2022.

  13. Autism Center. “Opening Doors.” 2009. Accessed February 2022.

  14. Advancing Futures for Adults with Autism. “About Autism.”. Accessed February 2022.

  15. SAGE Journals. “Objective and subjective psychosocial outcomes in adults with autism spectrum disorder: A 6-year longitudinal study” June 2021. Accessed February 2022.

  16. Journal of Autism and Developmental Disorders. “Workplace Adjustments for Autistic Employees: What is ‘Reasonable’?” December 2021. Accessed February 2022.

  17. Journal of Autism and Developmental Disorders. “A Qualitative Exploration of the Female Experience of Autism Spectrum Disorder (ASD)” February 2019. Accessed February 2022.

  18. US National Library of Medicine. “The art of camouflage: Gender differences in the social behaviors of girls and boys with autism spectrum disorder.” August 2017. Accessed February 2022.

  19. US National Library of Medicine. “How different are girls and boys above and below the diagnostic threshold for autism spectrum disorders?” August 2012. Accessed February 2022.

  20. Journal of Autism and Developmental Disorders. “The Experiences of Late-diagnosed Women with Autism Spectrum Conditions: An Investigation of the Female Autism Phenotype.” October 2016. Accessed February 2022.

  21. National Institute of Neurological Disorders and Stroke. “Asperger Syndrome Information Page.” May 2017. Accessed February 2022.

  22. National Institute of Neurological Disorders and Stroke. “Autism Spectrum Disorder Fact Sheet.” September 2015. Accessed Fabruary 2022.

  23. Nutrients 2021 “Eating Behaviors of Children with Autism—Pilot Study” August 2021. Accessed Fabruary 2022.

  24. Nutrients 2021 “Eating Behaviors of Children with Autism—Pilot Study, Part II” October 2021. Accessed Fabruary 2022.

  25. US National Library of Medicine. “Self-Injury in Autism Spectrum Disorder and Intellectual Disability: Exploring the Role of Reactivity to Pain and Sensory Input.” October 2017. Accessed February 2022.

  26. Pediatric Reports 2021 “Comparison of Autistic Individuals Who Engage in Self-Injurious Behavior, Aggression, and Both Behaviors” October 2021. Accessed February 2022.

  27. American Academy of Pediatrics “Pica, Autism, and Other Disabilities” February 2021. Accessed February 2022.

  28. NHS “How to help with your child's behaviour” April 2019. Accessed February 2022.

  29. American Academy of Pediatrics “Gastrointestinal Symptoms in Autism Spectrum Disorder: A Meta-analysis” May 2014. Accessed February 2022.

  30. Genes 2021 “In Prototypical Autism, the Genetic Ability to Learn Language Is Triggered by Structured Information, Not Only by Exposure to Oral Language” July 2021. Accessed February 2022.

  31. Centers for Disease Control and Prevention. “Treatment.” April 2018. Accessed February 2022.

  32. Centers for Disease Control and Prevention. “Autism Spectrum Disorder, Family Health History, and Genetics” March 2021. Accessed February 2022.