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Alkoholentzugssyndrom

Verfasst von Adas medizinischem Fachpersonal

Stand

Was bedeutet Alkoholentzug?

Alkoholentzug ist ein Begriff, der die Symptome beschreibt, die auftreten, wenn eine Person nach langem und intensivem Alkoholkonsum plötzlich mit dem Trinken aufhört. Die Erkrankung wird auch als Alkoholentzugssyndrom bezeichnet.

Menschen, die einen Alkoholentzug durchmachen, leben oft mit einer chronischen Alkoholabhängigkeit, die manchmal auch als Alkoholismus bezeichnet wird.

Etwa jede zweite alkoholabhängige Person entwickelt Symptome aufgrund von Alkoholentzug, wenn der Alkoholkonsum stark reduziert oder eingestellt wird. Die Symptome treten in der Regel zwischen sechs und 24 Stunden nach dem letzten Getränk oder wenn das Trinken stark reduziert wurde, auf.

Bei den meisten Menschen mit Alkoholentzug fallen die Symptome eher leicht aus und beinhalten Ängste, Unruhe, Kopfschmerzen und Verlangen nach Alkohol. Bei etwa jeder fünften Person mit Alkoholentzug sind die Symptome jedoch schwerwiegender und können Halluzinationen, Krampfanfälle oder sogar ein Delirium umfassen.

Es gibt einen festen Kriterienkatalog, auf den sich die Diagnosestellung stützt. Dafür ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung erforderlich. Weitere Untersuchungen werden durchgeführt, um die Alkoholabhängigkeit einzuschätzen und mögliche Komplikationen zu überprüfen. Zur Behandlung gehören Beruhigungsmittel und eine sorgfältige Verlaufskontrolle der betroffenen Person.[1],[2],[3],[4],[5],[6],[7],[8]

Wer glaubt, einen Alkoholentzug durchzumachen, kann mit Ada versuchen, mehr über seine Symptome herauszufinden.

Wodurch wird der Alkoholentzug verursacht?

Entzugserscheinungen werden bei alkoholkranken Menschen durch das Einstellen oder das starke Reduzieren des Alkoholkonsums verursacht. Man weiß, dass Alkoholabhängigkeit durch eine Kombination von genetischen, psychologischen und sozialen Faktoren verursacht wird.

Generell verringert Alkohol die allgemeine Aktivität des Gehirns. Wenn eine Person regelmäßig große Mengen Alkohol trinkt, kann dies irgendwann zu einem Ungleichgewicht zwischen aktivierenden und hemmenden Nervenbahnen führen. Wenn der regelmäßige Alkoholkonsum eingestellt wird, kommt es zu einer Überaktivierung des Gehirns. Dies führt zu den typischen Symptomen des Alkoholentzugs.[1],[6],[7]

Allerdings entwickelt nur etwa jede zweite Person, die alkoholkrank ist, bei stark reduziertem oder eingestelltem Alkoholkonsum Entzugserscheinungen.

Zu den Faktoren, die dies wahrscheinlicher machen, gehören:[1]

  • die Menge der pro Anlass konsumierten Getränke,
  • das Vorhandensein von alkoholbedingten Beschwerden,
  • das Ausmaß der körperlichen Abhängigkeit,
  • wie stark sich der Körper an Alkohol gewöhnt hat und ihn folglich braucht.
  • seit dem letzten Getränk sind nicht mehr als 24 Stunden vergangen.

Die Gene spielen möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung eines Alkoholentzuges sowie bei dessen Schwere. Dies wird jedoch noch erforscht.[1]

Was sind die Symptome eines Alkoholentzugs?

Symptome eines Alkoholentzugs können auftreten, wenn eine Person plötzlich mit dem Trinken aufhört oder es nach längerem und starkem Alkoholkonsum plötzlich stark reduziert.

Die Symptome:[1],[6],[7],[8]

  • treten nur bei etwa jeder zweiten Person auf, die mit einer Alkoholabhängigkeit lebt, wenn sie plötzlich mit dem Trinken aufhört.
  • treten typischerweise zwischen sechs und 24 Stunden nach dem letzten Drink oder wenn eine starke Reduzierung des Alkoholkonsums stattgefunden hat, auf.
  • können in zwei Typen unterteilt werden: physische und psychische.
  • sind bei den meisten Betroffenen eher leicht.
  • sind bei etwa jedem fünften Betroffenen gravierender und können zu Halluzinationen, Krampfanfällen oder sogar zum Delirium führen.
  • die Symptome dauern umso länger, je schwerer der Entzug ist.

Zu den Symptomen eines Alkoholentzuges gehören:[1],[2],[6],[7],[8]

Leichter Entzug

  • Beginn: sechs bis 36 Stunden nach dem letzten Getränk.
  • Die folgenden Symptome halten ein bis zwei Tage an:
    • Angst
    • Agitation
    • Unruhe
    • Schlafstörungen
    • Schwanken
    • vermehrtes Schwitzen
    • schneller Herzschlag
    • Kopfschmerzen
    • Verlangen nach Alkohol
    • Appetitlosigkeit
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Bluthochdruck

Alkoholhalluzinose

  • Beginn: sechs bis 48 Stunden nach dem letzten Getränk.
  • Die Symptome dauern ein bis zwei Tage:
  • kann mit oder ohne den Symptomen eines leichten Entzugs auftreten
    • normalerweise optische Halluzinationen - oft sehen Betroffene Insekten oder Tiere im Raum
    • Es können auch akustische oder taktile Halluzinationen auftreten.
    • Betroffene hören fälschlicherweise etwas oder nehmen eine Berührung mit einem imaginären Objekt wahr.

Epileptische Anfälle durch den Entzug

  • Beginn: zwölf bis 48 Stunden nach dem letzten Getränk.
  • können mit oder ohne den Symptomen eines leichten Entzugs auftreten
  • treten in zehn bis 30 Prozent der Fälle von Alkoholentzug auf
    • Anfälle, die den gesamten Körper betreffen - diese können einzeln oder in Zweier- oder Dreier-Clustern auftreten.

Entzugsdelir

  • Beginn: 48 bis 96 Stunden nach dem letzten Getränk.
  • auch Delirium tremens genannt
  • medizinischer Notfall
  • tritt bei einem bis vier Prozent der Personen mit Alkoholentzug auf, die sich in einem Krankenhaus befinden
    • Störung der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung
      • rasches Einsetzen
      • wechselhafter Krankheitsverlauf
  • manchmal begleitet von:
    • Halluzinationen
    • Agitation
    • Fieber
    • stark beschleunigter Herzfrequenz
    • Bluthochdruck
    • starkem Schwitzen.

Wenn du dir unsicher bist, ob diese Beschwerden auf dich zutreffen, starte eine Symptomanalyse.

Wie wird ein Alkoholentzug diagnostiziert?

Es gibt einen festen Kriterienkatalog, auf dem die Diagnose eines Alkoholentzuges beruht. Dafür sind eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung erforderlich. Es werden weitere Tests durchgeführt, um die zugrunde liegende Alkoholabhängigkeit zu beurteilen, mögliche Komplikationen zu prüfen und andere Erkrankungen auszuschließen. [1],[6],[7]

Die Vorgehensweise bei der Diagnose und Bewertung der Alkoholabhängigkeit umfasst:[1],[6],[7]

Anamnese

  • starker Alkoholkonsum in der Vergangenheit
    • frühere Entzugssyndrome
    • frühere Behandlungsversuche
  • andere Medikamente die eingenommen werden
  • psychische Erkrankungen
  • soziale Situation und Unterstützung
  • körperliche Symptome.

körperliche Untersuchung, um Folgendes zu klären:

  • den Schweregrad des Entzugssyndroms
  • zusätzliche oder alternative Erkrankungen
  • langfristige Auswirkungen bei Alkoholabhängigkeit.

Laboruntersuchungen

  • Blutuntersuchungen
    • insbesondere Untersuchung der Leber- und Nierenfunktion sowie des Blutzuckerspiegels und der Serumalkoholkonzentration
  • Untersuchung auf Drogen im Urin
    • insbesondere Überprüfung auf Benzodiazepine, Kokain und Opioide

Weitere Untersuchungen

  • Elektrokardiogramm (EKG) - empfohlen bei älteren Menschen.

Bildgebende Untersuchungen

  • CT-Scan - nur erforderlich:
    • bei Menschen, die zum ersten Mal einen epileptischen Anfall erleiden
    • wenn sich der Entzug von früheren Entzugssyndromen unterscheidet
    • wenn psychische Veränderungen nicht typisch für ein Entzugssyndrom sind
    • wenn ein Kopftrauma wahrscheinlich ist.

Wie wird ein Alkoholentzug behandelt?

Der Alkoholentzug erfordert sowohl eine kurz-, als auch eine langfristige Behandlung. Die die kurzfristige Therapie zielt auf die Behandlung der physischen und psychischen Symptome ab, die im Rahmen des Entzugs auftreten.

Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern, mögliche Stoffwechselstörungen zu erkennen und zu beheben sowie mögliche weitere Komplikationen zu therapieren.

Die Langzeitbehandlung konzentriert sich darauf, eine Person bei der Einhaltung ihrer Abstinenz und der Bewältigung der zugrunde liegenden Alkoholabhängigkeit zu unterstützen.[2],[3],[6],[7],[8]

Die kurzfristige Therapie beinhaltet:[2],[3],[6],[7],[8]

  • Unterstützende Maßnahmen - Überwachung und regelmäßige klinische Neubewertung
  • Dazu gehört die Überwachung der Vitalparameter, wie Herzfrequenz und Blutdruck, sowie die wiederholte Kontrolle des Blutzuckerspiegels und der Blutalkoholkonzentration.
  • Die Einweisung auf eine Intensivstation kann bei Menschen in Betracht gezogen werden:
    • die über 40 Jahre alt sind
    • mit gleichzeitig bestehenden Erkrankungen
    • mit einer Vorgeschichte von problematischen Entzügen
    • die nicht gut auf die Behandlung ansprechen
    • die instabile Vitalparameter haben
    • die schwere Stoffwechselstörungen haben
    • die andere Komplikationen aufweisen.
    • Stoffwechselentgleisungen sollten behoben werden.

Intravenöse Infusionen

  • Dies ist bei allen Menschen mit Alkoholentzug notwendig.
  • Flüssigkeit wird über einen intravenösen Zugang verabreicht.

Nahrungsergänzung

  • Dies sollte anfangs über einen intravenösen Zugang erfolgen, da die Magen-Darm-Absorption eingeschränkt ist und die Gefahr besteht, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt und die Person erstickt.
  • beinhaltet die Verabreichung von:
    • Thiamin (Vitamin B1)
    • Glukose
    • Folsäure
    • Multivitamine

Sichere Umgebung

  • Es sollte ein ruhiger und geschützter Ort sein.
  • Bei Menschen mit Entzugsdelir kann eine vorübergehende körperliche Ruhigstellung notwendig sein, um zu verhindern, dass sie sich selbst und anderen Schaden zufügen.
  • Jegliche Fixierung sollte entfernt werden, sobald die Beruhigungsmittel zu wirken beginnen.

Medikamente

  • Benzodiazepine
  • Diese sind bei allen Menschen mit Alkoholentzug notwendig, um ihre Unruhe zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
    • Die Behandlung wirkt wie ein Beruhigungsmittel und verringert die neuronale Überaktivität der Person.
    • Benzodiazepine sollten wegen der hohen Gefahr, abhängig zu werden, niemals langfristig eingenommen werden.

Kann man einem Alkoholentzug vorbeugen?

Ein Alkoholentzug tritt nur nach vorheriger, dauerhafter Einnahme großer Mengen von Alkohol auf und kann daher durch generellen Verzicht auf Alkohol oder zumindest durch eine starke Einschränkung des Alkoholkonsums verhindert werden.

Menschen, die alkoholkrank sind, sollten sich an spezialisierte Behandlungseinrichtungen wenden, um ihre Erkrankung erfolgreich in den Griff zu bekommen.

Bei Menschen, die Symptome eines Alkoholentzugs entwickeln, ist es wichtig, so früh wie möglich mit der Behandlung zu beginnen, um schwere Krankheitsbilder oder Komplikationen zu vermeiden.[7]

Wie ist die Prognose hinsichtlich eines Alkoholentzuges?

Menschen, die einen Alkoholentzug hinter sich haben, können einige Monate lang unter Schlafproblemen oder geringfügigen Anzeichen eines überaktiven Nervensystems, wie z.B. einem beschleunigten Herzschlag, Unruhe oder Schweißausbrüchen, leiden.

Die Hälfte der Menschen schafft es, ein Jahr lang alkoholabstinent zu bleiben. Die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls kann durch eine Langzeitbehandlung der zugrunde liegenden Alkoholabhängigkeit in einer spezialisierten Behandlungseinrichtung verringert werden.[7]

Welche Komplikationen können beim Alkoholentzug auftreten?

Alkoholhalluzinose, epileptische Anfälle und Delir (siehe oben) gehören zu den typischen Komplikationen eines Alkoholentzugs. Weitere Komplikationen sind:[1],[2],[6],[7]

Übersedierung

  • Dies kann eine kurzfristige Folge von zu hoch dosierten Medikamenten sein.

Gestörter Elektrolythaushalt

  • niedrige Magnesiumwerte
  • niedrige Kaliumwerte
  • niedrige Natriumwerte

Erhöhte Wahrscheinlichkeit zu sterben

  • Bei angemessener Behandlung kommt dies selten vor.
  • andere Komplikationen aufgrund der chronischen Alkoholabhängigkeit.

Wer glaubt, einen Alkoholentzug durchzumachen, kann mit Ada versuchen, mehr über seine Symptome herauszufinden.


  1. UpToDate. “Alcohol withdrawal: Epidemiology, clinical manifestations, course, assessment, and diagnosis” - Stand: 06 November 2019

  2. UpToDate. “Management of moderate and severe alcohol withdrawal syndromes” - Stand: 06 November 2019

  3. UpToDate. “Ambulatory management of alcohol withdrawal” - Stand: 07 November 2019

  4. Medscape. “Alcohol Toxicity” - Stand: 06 November 2019

  5. Medscape. “Alcoholism” - Stand: 06 November 2019

  6. Medscape. “Withdrawal Syndromes” - Stand: 06 November 2019

  7. BMJ Best Practice. “Alcohol withdrawal” - Stand: 06 November 2019

  8. Amboss. “Alcohol use disorder” - Stand: 06 November 2019