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Gallensteine (Symptomatische Cholelithiasis)

Verfasst von Adas medizinischem Fachpersonal

Stand

Was sind Gallensteine?

Gallensteine sind kristallartige Ablagerungen, die sich in der Gallenblase unterhalb der Leber bilden können. Sie können von sandkornklein bis golfballgroß sein, wobei kleine Steine deutlich üblicher sind. In den meisten Fällen bleiben die Steine in der Gallenblase und verursachen keinerlei Beschwerden.

Es kann aber auch zu einer Entzündung der Gallenblasenwand kommen. Man spricht dann von einer Gallenblasenentzündung, der sogenannten Cholezystitis. Tritt ein Gallenstein aus der Gallenblase aus, kann es passieren, dass der Stein den Gallengang und damit den Abfluss von der Leber in den Darm blockiert. Diesen Zustand nennt man Choledocholithiasis.

Das Hauptsymptom von Gallensteinen sind Schmerzen im oberen rechten oder mittleren Bereich des Bauches, direkt unter dem Rippenbogen. Die Diagnose kann in der Regel mit Hilfe von Anamnese, körperlicher Untersuchung, Labortests und Ultraschall schnell gestellt werden. Das weitere Vorgehen hängt vom Einzelfall ab. Die Prognose ist jedoch gut.[1],[2],[3]

Was sind die Ursachen von Gallensteinen?

Gallensteine entstehen, wenn es zu einem Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit kommt. Diese wird in der Leber gebildet, in der Gallenblase gespeichert und schließlich in den Darm abgegeben.

Wenn jemand eine fettreiche Mahlzeit zu sich nimmt, wird Gallenflüssigkeit benötigt, um die Fette aus der Nahrung zu binden.

Bei der häufigsten Art von Gallensteinen handelt es sich um die sogenannten Cholesterinsteine. Hier ist der Cholesteringehalt in der Gallenflüssigkeit zu hoch, sodass sich ein fester Stein bildet. Seltener gibt es außerdem Gallensteine aus Bilirubun, ein Abbauprodukt der roten Blutkörperchen, Gallensteine aus Calciumcarbonat, meist in Folge einer bakteriellen Infektion, sowie Mischtypen.[3],[4],[5]

Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen:

  • Übergewicht,
  • weiblich
  • Alter über 40 Jahre,
  • Schwangerschaft,
  • europäische, indianische oder hispanische Abstammung,
  • familiäre Vorbelastung,
  • bestimmte Medikamente,
  • einige Vorerkrankungen wie Diabetes, Sichelzellanämie, Leberzirrhose, zystische Fibrose und Morbus Crohn.[5]

Welche Symptome hat man bei Gallensteinen?

In den meisten Fällen verursachen Gallensteine keine Symptome oder Probleme. Symptome treten typischerweise dann auf, wenn Gallensteine den Abfluss aus der Gallenblase behindern oder zu einer Blockade der Gallengänge führen. In diesen Fällen kann es zu folgenden Symptomen kommen:[1]

  • rechtsseitige, schubförmige Schmerzen im oberen Bereich des Bauches,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Völlegefühl,
  • Blähungen,
  • Juckreiz,
  • Gelbfärbung der Augen oder der Haut,
  • Hellfärbung des Stuhlgangs,
  • Dunkelfärbung des Urins.[1],[3],[5]

Wenn du dir unsicher bist, ob diese Beschwerden auf dich zutreffen, starte eine Symptomanalyse.

Wo hat man Schmerzen bei Gallensteinen?

Das Hauptsymptom von Gallensteinen sind Schmerzen im oberen rechten oder mittleren Bereich des Bauches, direkt unter dem Rippenbogen. Dieser Schmerz kann plötzlich auftreten und sich in den Arm, die rechte Schulter, den Rücken oder der Brust ausbreiten. Einige Menschen empfinden den Schmerz als scharf stechend, während es für andere ein tiefer Schmerz sein kann. Man bezeichnet dieses Beschwerdebild auch als Kolik bzw. kolikartige Schmerzen. Es wird oft durch eine schwere Mahlzeit ausgelöst und kann eine Person nachts aufwecken.

Die Schmerzen werden manchmal mit einem Herzinfarkt verwechselt. Gallensteinschmerzen dauern in der Regel zwischen einer halben und einigen Stunden an. Die Schmerzattacken kommen oft in Schüben und lassen nach, wenn sich der Stein bewegt und sich die Blockade auflöst. In einigen Fällen können die Schmerzen bereits nach wenigen Minuten nachlassen. [1],[3],[4],[6],[7]

Wie wird die Diagnose bei Gallenstein gestellt?

Eine Ärztin wird zunächst eine Anamnese machen, in der die Symptome und die Krankengeschichte erfragt werden. Danach wird sie eine ausgiebige körperliche Untersuchung durchführen. Dabei drückt sie auf den oberen rechten Bereich des Bauches und bittet die Person, währenddessen tief Luft zu holen. Schmerzen dabei können auf eine Entzündung der Gallenblase hinweisen.

Danach werden in der Regel einige Tests zur Bestätigung der Diagnose durchgeführt. Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die manchmal ähnliche Symptome verursachen können, wie z.B. Blinddarmentzündung, Gastritis und Nierensteine.[5],[8]

Diagnostische Tests bei Verdacht auf Gallensteine können beinhalten:

  • Blutuntersuchung: Um zu sehen, ob es Anzeichen für eine Infektion gibt und um die Funktion der Leber sowie Anzeichen einer Schädigung der Gallengänge zu überprüfen.

  • Bauchultraschall: Eine schnelle, nicht-invasive Untersuchung, bei der Schallwellen verwendet werden, um das Vorhandensein von Gallensteinen in der Gallenblase zu bestätigen. Dies ist die am häufigsten eingesetzte Untersuchungsmethode bei Verdacht auf Gallensteine. Auch eine Entzündung der Gallenblase kann so erkannt werden.

  • Endosonographie: Dies ist ebenfalls ein Verfahren, das sich die Vorteile der Ultraschalltechnik zu Nutze macht. Das Gerät besteht aus einem flexiblen Schlauch, an dessen Ende ein Ultraschallkopf angebracht ist. Der Untersucher führt dabei den Schlauch zunächst in den Mund des Patienten ein und schiebt ihn dann bis in den Bauchraum vor, sodass ein Ultraschallbild aus nächster Nähe gewonnen werden kann. Die Diagnose kann so gesichert werden.

  • Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP): Dies ist die bevorzugte Methode, wenn der Verdacht besteht, dass ein Stein den Gallengang blockiert. Bei dieser Untersuchungsmethode wird ein sogenanntes Endoskop verwendet. Dabei wandert der Untersucher mit dem Endoskop über den Mund und die Speiseröhre des Patienten bis in den Bauchraum. Darüber hinaus kann der Untersucher den Gallengang mithilfe von Kontrastmittel genau darstellen und sofern möglich den Stein bereits in der gleichen Sitzung entfernen.

  • CT-Untersuchung: Ein bildgebendes Verfahren, bei dem Röntgenstrahlen in mehreren Schichten eingesetzt werden, um das Vorhandensein von Gallensteinen im Gallensystem zu bestätigen und auf mögliche Komplikationen, wie z.B. blockierte Gallengänge und Pankreatitis, zu prüfen.

  • MRT-Untersuchung: Ein bildgebendes Verfahren, bei dem mit Hilfe eines starken magnetischen Feldes ein detailliertes, dreidimensionales Bild des Körpers gemacht werden kann.[2],[3],[5],[8],[9]

Gut zu wissen: Gallensteine können auch zufällig entdeckt werden, wenn man sich wegen anderer Beschwerden oder im Rahmen eines allgemeinen Gesundheitschecks untersuchen lässt. Solange die Gallensteine keine Symptome verursachen, wird eine Behandlung in der Regel nicht empfohlen. Allerdings kann eine Ärztin über Symptome aufklären, auf die man fortan achten sollte.[8],[10]

Wie behandelt man Gallensteine?

Generell werden Gallensteine erst behandelt, wenn sie Beschwerden verursachen. Nur etwa jeder vierte Mensch mit Gallensteinen ohne Beschwerden wird innerhalb von 10 Jahren Symptome entwickeln.[2],[5],[11]

Sollten Beschwerden bestehen, gibt es ein paar Allgemeinmaßnahmen, die zunächst durchgeführt werden:

  • vorübergehender Verzicht auf Nahrung;
  • Gabe von Medikamenten, die die krampfhaften Anspannungen des Körpers gegen die durch den Stein ausgelöste Blockade unterbrechen;
  • Gabe von Schmerzmitteln.[5]

Das weitere Vorgehen hängt von der genauen Lage des Gallensteins und den dadurch verursachten Problemen ab.

Operation zur Entfernung von Gallensteinen

Die operative Gallenblasenentfernung, die sogenannte Cholezystektomie, ist die bevorzugte Behandlung der symptomatischen Cholelithiasis - also wenn Gallensteine vorhanden sind und zu Beschwerden führen. Es handelt sich dabei um ein gängiges Verfahren, das als der effektivste Weg gilt, um die Symptome langfristig zu beseitigen und möglichen Komplikationen durch Gallensteine vorzubeugen.[12],[13]

Es gibt zwei Arten von Gallenblasenoperationen:

  • Laparoskopische Cholezystektomie: Eine Art von Schlüssellochoperation, bei der die Gallenblase durch einen kleinen Schnitt im Bauch entfernt wird. In einigen Fällen kann die Person am selben Tag wieder nach Hause gehen. In anderen Fällen muss sie für ein paar Tage zu Überwachung im Krankenhaus bleiben.

  • Offene Cholezystektomie: Eine ältere Art der Operation, die einen größeren Schnitt im Bauchraum erfordert, um die Gallenblase zu entfernen. Dies kann notwendig sein, wenn eine Laparoskopie nicht ratsam ist oder Komplikationen auftreten. Die Erholungszeit ist bei dieser Art von Operation länger.

Nach einer Gallenblasenoperation

Man kann auch ohne Gallenblase ein normales und gesundes Leben führen. Nach der Entfernung der Gallenblase fließt die Galle über den verbindenden Gallengang direkt aus der Leber in den Darm, ohne wie zuvor in der Gallenblase zwischengespeichert zu werden. Die Gallenflüssigkeit unterstützt somit die Verdauung wie gewohnt weiter. In einigen Fällen kann es vorübergehend zu leichtem Durchfall oder Verdauungsstörungen kommen. Das Risiko von Komplikationen durch eine Cholezystektomie gilt als gering.[5],[12],[13]

Endoskopische retrograde Cholangiopankreatographie (ERCP)

Dieses Verfahren ist die bevorzugte Behandlungsoption bei einer Blockade des Gallengangs. Dabei wandert der Untersucher mit dem Endoskop bis in den Bauchraum. Von dort kann der Untersucher den Gallengang mithilfe von Kontrastmittel genau darstellen und sofern möglich den Stein bereits in der gleichen Sitzung entfernen. Sollten sich weitere Gallensteine in der Gallenblase befinden, wird oft eine Operation angeschlossen.[5],[12],[13]

Nicht-chirurgische Behandlungsmöglichkeiten

Nicht-chirurgische Behandlungen werden in der Regel nur dann empfohlen, wenn eine Operation nicht möglich ist, z.B. wenn ein anderer Gesundheitszustand eine Operation nicht empfehlenswert macht. Die Behandlungsoptionen können Folgendes umfassen:

  • Medikamente, die Gallensäure enthalten: Hiermit wird versucht, die Löslichkeit der Gallenflüssigkeit zu erhöhen und so die Gallensteine aufzulösen. Die Behandlungsdauer umfasst mindestens sechs Monate. Ein Wiederauftreten von Gallensteinen ist häufig.[5]

  • Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL): Mit Röntgenstrahlen werden Stoßwellen abgegeben, um die Gallensteine in kleinere Stücke zu zertrümmern. Danach müssen Medikamente eingenommen werden, um die Trümmer aufzulösen und auszuscheiden. Dieses Verfahren wird heute nur noch selten für die Gallensteinbehandlung verwendet.[5],[12],[13]

Können Gallensteine wieder verschwinden?

Von alleine lösen sich Gallensteine in der Regel nicht auf. Es ist manchmal möglich, Cholesterinsteine mit bestimmten Medikamenten aufzulösen. Dies kann jedoch lange dauern und funktioniert oft nicht. Auch die heutzutage eher selten genutzte Methode der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie, bei der Gallensteine in kleinere Stücke zertrümmert werden (siehe oben), kann zur Ausscheidung der Steine beitragen. Aber selbst wenn die Gallensteine durch diese Methoden verschwinden, ist es wahrscheinlich, dass sich mit der Zeit neue Steine bilden.[3],[6],[11],[14]

Wie gefährlich ist ein Gallenstein?

Der Großteil der Menschen mit Gallensteinen hat keinerlei Beschwerden. In diesen Fällen ist in der Regel keine Behandlung notwendig. Auch wenn Beschwerden auftreten, gibt es heutzutage risikoarme Behandlungsmethoden, wodurch die Prognose überaus günstig ist.

In Einzelfällen oder wenn eine Behandlung bei vorhandenen Beschwerden ausbleibt, kann es zu folgenden Komplikationen kommen:[1],[3],[5],[13]

  • Cholezystitis, Entzündung der Gallenblase,
  • Pankreatitis, Entzündung der Bauchspeicheldrüse,
  • Verletzung und/oder Infektion der Gallenabflusswege, d.h. der Leber, Gallenblase und der Gallengänge; eine Entzündung der Gallengänge wird als Cholangitis bezeichnet,
  • Darmverschluss.

Diese Komplikationen erfordern oft eine Notfallbehandlung. Bei den folgenden Symptomen sollte umgehend medizinische Hilfe aufgesucht werden:[3],[5]

  • starke, anhaltende Schmerzen im Bauchraum,
  • hohes Fieber,
  • Schüttelfrost,
  • Gelbfärbung der Haut oder des Augenweißes (Gelbsucht).

  1. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. “Definition & Facts for Gallstones.” November, 2017. - Stand: 19. Juni 2019

  2. Southern Cross Medical Library. “Gallstones - causes, symptoms, treatment.” Januar, 2017. - Stand: 19. Juni 2019

  3. Harvard Health. “What to do about gallstones.” März, 2011. - Stand: 19. Juni 2019

  4. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. “Symptoms & Causes of Gallstones.” November, 2017. - Stand: 19. Juni 2019

  5. AMBOSS. “Cholelithiasis, choledocholithiasis, cholecystitis, and cholangitis.” 28. November 2018. - Stand: 19. Juni 2019

  6. UpToDate. “Patient education: Gallstones (Beyond the Basics).” 21. February 2018. - Stand: 19. Juni 2019

  7. NHS inform. “Gallstones: Symptoms.” 1. Mai 2018. - Stand: 19. Juni 2019

  8. NHS inform. “Gallstones: Diagnosis.” 1. Mai 2018. - Stand: 19. Juni 2019

  9. Medscape. “Gallstones (Cholelithiasis) Workup.” 30. Mai 2017. - Stand: 19. Juni 2019

  10. Emergency Care Institute, New South Wales. “Patient Factsheet: Gallstones.” August, 2014. - Stand: 19. Juni 2019

  11. NHS inform. “Gallstones: Treatment.” 1. Mai 2018. - Stand: 19. Juni 2019

  12. Medscape. “Gallstones (Cholelithiasis) Treatment & Management.” 30. März 2017. - Stand: 19. Juni 2019

  13. BMJ Best Practice. “Cholelithiasis.” 1. Januar 2018. - Stand: 19. Juni 2019

  14. UpToDate. “Overview of nonsurgical management of gallbladder stones.” 5. Dezember 2018. - Stand: 19. Juni 2019